Bunte Biomasse

Ein interessantes Pilotprojekt, gemeinsam getragen von Jägerschaft und Landwirten der Region, stand am Samstagvormittag im Mittelpunkt einer Begehung, zu welcher der Dachverband "Biogas" auf die Gemarkung Renchen-Maiwald eingeladen hatte. Rolf-Dieter Schink stellte hier eine in Eigeninitiative angelegte Testfläche mit einer ausgewählten Wildstaudenmischung vor, die nicht nur aufgrund ihrer sehr zurückhaltenden Bewirtschaftung über Jahre ein ganzjährig ideales Nahrungsangebot für viele Insektenarten bietet, sondern auch ergänzend zum Mais zur Stromerzeugung in Biogasanlagen verwendet werden kann.

Erstellt am 04.07.2020

Für den Dachverband "Biogas" Baden-Württemberg hieß Otto Körner als Regionalreferent Süd die Teilnehmer willkommen, neben den Vertretern des Hegegemeinschaft Renchniederung mit Kreisjägermeister Rainer Hempelmann der Kreisjägervereinigung Kehl-Achern an der Spitze, auch die Betreiber von drei Biogasanlagen in der Region sowie Vertretern der Kommunalpolitik, so Heinz Schäfer als stellvertretender Bürgermeister von Renchen und Wagshursts Ortsvorsteher Gerd Boschert als Vertreter von Oberbürgermeister Klaus Muttach. Grundsätzlich begrüßte er den gemeinsamen Ansatz von Jägerschaft und Landwirtschaft, mit diesem Projekt einen großen Beitrag für den Artenschutz zu leisten, wichtig sei aber auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Deshalb, ergänzte Schink, sei die Unterstützung der Politik durch eine Änderung der Agrarförderung notwendig.

Auf der im Vorjahr angelegten Testfläche berichtete Schink, dass er vor zwei Jahren auf einem Niederwildsymposium eines Jagdfreundes vom Einsatz von  Saatgutmischungen aus ertrag- und blütenreichen ein- und mehrjährigen heimischen Wildpflanzenarten für die Energieerzeugung aus Biomasse überzeugt wurde, zumal diese mit Zielen des Natur-,

Arten- und Landschaftsschutzes verknüpft werden kann. Ziel der Hegegemeinschaft sei es, diese in unserem Raum bisher unbekannte oder nicht umgesetzte Anbauform bekannt zu machen, ihre Chancen und Auswirkungen aufzuzeigen und sie langfristig zu etablieren. Deshalb wurden im Bereich der Gemarkungen Achern-Wagshurst und Renchen-Maiwald die hier ansässigen Betreiber von Biogasanlagen Bernhard Berger, Mathias Huber und Karl-Philipp Baumert durch die jeweiligen Jagdpächtern Bernhard Busam und Rolf-Dieter Schink angesprochen und zu einem Informationsgespräch eingeladen. Sie erklärten sich bereit, an dem geplanten Modellversuch aktiv mitzuwirken. Moderiert wurde dieses Gespräch von Werner Kuhn, Anbauberater der Deutschen Wildtierstiftung Hauptproblem war das zu erwartende betriebswirtschaftliche Defizit zwischen dem ertragsreichen Mais und den geringeren Erträgen der Wildstaudenmischungen es liege bei etwa 500 bis 600 Euro pro   und Hektar. Um dieses Defizit zumindest teilweise auszugleichen, konnte die Zusage für eine dreijährige Projektförderung der Deutschen Wildtierstiftung mit einem Betrag von 250 Euro je Hektar und Jahr erreicht werden, beschränkt auf insgesamt 10 Hektar. Den Fehlbetrag tragen die Beteiligten, um das Projekt voranzubringen.

Wie Schink weiter ausführte, sind in der ausgewählten Wildstaudenmischung 25 unterschiedliche und mehrjährige Pflanzenarten enthalten. In diesem Sommer wird diese Mischung zunächst auf 5,61 Hektar Anbaufläche an 11 Standorten in einer Größe von 30 Ar bis 162 Ar eingesät. Im Sommer 2021 folgen mindestens zwei weitere Flächen in einer Größe von rund 60 Ar und 89 Ar. „Insgesamt wird somit auf 7,10 Hektar ein nahezu ganzjähriger Lebensraum für viele Insektenarten und weitere Tierarten entstehen“, so Schink,  Die Flächen werden mosaikartig auf den beiden Gemarkungen verteilt, vorhandene Biotopstrukturen wie Heckenstreifen oder Gräben sollen einbezogen und Gemarkungsbereiche mit geringen Biotopstrukturen gezielt aufgewertet werden.

Die Teilnehmer der Begehung waren beeindruckt sowohl vom Summen und Brummen auf der gesamten Wildackerfläche, zahlreich Insekten- und Schmetterlingsarten waren auf Anhieb festgestellt, auch Geruch und die bunte Vielfalt der mehrjährigen Wild- und Kulturpflanzen überzeugten. Angesprochen wurden auch weitere Vorteile der bunten Biomasse. So bieten die mehrjährigen Mischungen an 365 Tagen im Jahr Nahrung und Deckung für Wildtiere, die längeren Blühzeiten verbessern das Nahrungsangebot für Insekten, durch die Ernte ab Ende Juli wird die Gefahr von Mähverlusten bei Bodenbrütern und Jungtieren verringert. Die Mischungen eignen sich als Dauerkultur und erfordern keine jährliche Bodenbearbeitung und Ansaat, auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel kann weitgehend verzichtet werden. Als landwirtschaftliche Betriebsflächen bleiben sie erhalten und können nach 5 Jahren wieder bewirtschaftet werden. „Der Mais wird in den Biogasanlagen weiterhin gebraucht“, betonte Körner zusammenfassend. Derzeit werden in Deutschland 3 Millionen Hektar Mais zur Methanerzeugung verwendet, wenn davon ein Drittel über bunte Biomasse gedeckt wird, zeige das die Riesenchance für die Artenvielfalt und gegen das Insektensterben.

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