Pressemitteilung zur Podiumsdiskussion in Gengenbach

Jäger sorgen sich um die Zukunft der Jagd

Mehr als 600 Zuhörer bei Diskussionsveranstaltung zur Novellierung

des Jagdrechts in Gengenbach

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Gengenbach, 5. Dezember 2013

Der Entwurf des neuen baden-württembergischen Jagdgesetzes wird erst im späten Frühjahr 2014 auf dem Tisch liegen. Dennoch fürchten die Jäger schon jetzt erhebliche Einschränkungen und praxisferne Vorschriften. Mehr als 600 Jäger trafen sich daher am Dienstag (3. Dezember) in der Gengenbacher Kinzigtalhalle, um mit Politiker und Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, der Kommunen und dem Ministerium Ländlicher Raum zu diskutieren.

Moderator Ulf Tietge begann die Diskussion mit der zentralen Frage des Abends: Warum brauchen wir ein neues Jagdgesetz? „Das haben wir uns im Ministerium anfangs auch gefragt“, sagte Ministerialrat Bernhard Panknin. „Aber ein grundlegend neues Jagdgesetz bietet eben eine ganze Reihe von Chancen.“ Panknin führte die beispielhaft Neuregelung des Wildschadensausgleichs an und machte deutlich, dass zu vielen Beutegreifern (und deren Auswirkungen auf den Bestand von Hasen, Kaninchen oder Rebhühern) letztlich nur mit einem an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren Wildtier-management beizukommen sei.

Außerdem auf dem Podium: die Landtagsabgeordneten Volker Schebesta (CDU), Dr. Friedrich Bullinger (FDP) und Reinhold Pix (Grüne). Während Pix vehement für die Novelle des Jagdrechts und ein neues Jagd und Wildtiermanagement-Gesetz plädierte, lehnen Schebesta und Bullinger dies ab. „Wir brauchen kein neues Jagdgesetz“, sagten die beiden Oppositions-Politiker. Vielmehr müsse die Politik auch in Zukunft dem Sachverstand der Jäger vertrauen und nicht dem Irrtum erliegen, auf immer mehr Bürokratie zu setzen.

Sasbachwaldens Bürgermeister Valentin Doll machte deutlich, dass die Kommunen Einschränkungen im Jagdrecht und damit ins Eigentumsrecht von Waldbesitzern besorgniserregend finden. Schon jetzt ließen sich viele Reviere nicht mehr verpachten, bestätigte auch Peter Wälde, Vize-Präsident der Forstkammer.

Uneinig sind sich Jäger, Regierungspartei und Naturschützer bei der Frage einer generellen Jagdruhe von Februar bis April. Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann sprach sich vehement dafür aus, vor allem Füchse und Wildschweine auch im Winter zu bejagen. Ansonsten sei den teilweise viel zu hohen Populationen nicht beizukommen. In diesem Zusammenhang trägt auch die Landwirtschaft Verantwortung, die entlang der Rheinschiene immer mehr Mais anbaut. Der Kreisvorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, Franz Josef Müller, machte indes deutlich, dass man nicht allein den Bauern den Schwarzen Peter zuschieben dürfe. Er zeigte sich aber offen für neue Ideen wie beispielsweise einen Pflanzabstand zu Wäldern oder Schussschneisen in großen Maispflanzungen. Bisher jedoch verhinderten bürokratische Regelungen die Umsetzungen dieser Ideen.

Zur Freude der Jäger und Naturschützer ließ Bernhard Panknin durchblicken, dass längere Schonzeiten für Wild zwingend mit Wegegeboten einher gehen müssten. Es könne nicht sein, dass Jäger auf die Wildruhe achten müssten, gleichzeitig aber zahlreiche Freizeitsportler im Wald für Unruhe sorgen. 

„Die Podiumsveranstaltung brachte deutlich zum Ausdruck, wie wichtig den Jägern die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine sachgerechte Jagdausübung sind“, sagte im Anschluss an die Veranstaltung Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann. „Jäger benötigen praxisgerechte Regelungen, die ein eigenverantwortliches Jagen überall dort ermöglichen, wo man jagen kann und nicht nur dort, wo man jagen muss. Tier- und Naturschutz sowie der Schutz von Land- und Forstwirtschaft vor Wildschäden sowie des Grundeigentums sind dabei seit eh und je elementarer Bestandteil jägerischen Selbstverständnisses und der Jagdausübung. Auch in der Zukunft wollen wir unseren Auftrag mit Leidenschaft so gut erfüllen wie bisher – ohne zusätzliche Belastung für den Steuerzahler.“